Demeter Delikatess Rotkohl

Keine CMS-Hybride in Campo Verde Sauerkraut und Rotkohl

In letzter Zeit machten Berichte über zwei Funde von CMS-Hybriden in Demeter-Produkten die Runde. In beiden Fällen handelte es sich um Kohlsorten. Aus diesem Grund haben wir uns dazu entschieden, die beiden Campo Verde Produkte die Kohl beinhalten, d. h. Rotkohl und Sauerkraut, vorsichtshalber von einem unabhängigen Institut untersuchen zu lassen. Die Untersuchungen ergaben, dass in den beiden Artikeln keine CMS-Hybriden nachweisbar sind.

Doch um was genau handelt es sich bei Hybriden eigentlich? Und was bedeutet der Zusatz CMS? Hybriden sind Pflanzen, deren Elternlinien über Generationen hinweg durch erzwungene Selbstbefruchtung reinerbig gemacht wurden. Dadurch ist es möglich, dass bestimmte Eigenschaften zuverlässig an die Nachkommen weitergegeben werden. Bei der Kreuzung zweier solcher Inzuchtlinien entsteht sogenanntes F1-Hybrid-Saatgut. Diese Sämereien weisen durch das oben beschriebene Verfahren Vorteile in Qualität und Uniformität – vor allem aber hinsichtlich des Ertrags auf. Hybrid-Roggen bringt beispielsweise 10-20% mehr Ertrag, Hybrid-Mais sogar bis zu 600%. Die positiven Eigenschaften gelten jedoch lediglich für die Erstaussaat, bereits in der zweiten Generation sinkt der Ertrag deutlich. Hybrid-Saatgut muss deshalb jedes Jahr aufs Neue beim Züchter erworben werden.

Da es bei der Herstellung von F1-Hybrid-Saatgut wichtig ist, dass sich die Elternlinien nicht selbst befruchten, müssen männliche Samen entfernt werden. Dies ist nur mit sehr viel Aufwand durchsetzbar. Wissenschaftler haben deshalb eine Lösung für dieses Problem gesucht und wurden schließlich fündig. Bei einigen Pflanzen wie beispielsweise Japanrettich, Möhren, Sonnenblumen oder Zwiebeln kommt männliche Sterilität von Natur aus vor. Durch Zellfusion gelang es den Forschern, diese sogenannte cytoplasmatische männliche Sterilität (CMS) einer Art auf eine andere Pflanzenart zu übertragen. Für Züchter ist diese Eigenschaft ideal, weil ihre Züchtungen keinem ungewollten Fremdpollen ausgesetzt sind und dadurch schneller aussagekräftige Ergebnisse erzielt werden können.

Die Erzeugung von CMS-Hybriden erfordert eine Transformation über Artgrenzen hinweg. Mit klassischen Züchtungsmethoden wäre dies nicht möglich. Da jedoch keine Manipulation am Erbgut stattfindet, zählt das CMS-Verfahren nicht zur Gentechnik. Aus diesem Grund sind CMS-Hybriden in der EU-Öko-Verordnung erlaubt. Im biologischen Landbau ist das Verfahren jedoch umstritten. Diese Technik ist so weit von den natürlichen Vorgängen der Kreuzung entfernt, dass sie als unvereinbar mit den Prinzipien des ökologischen Landbaus angesehen wird, kommentiert der deutsche Bio-Dachverband BÖLW das Verfahren. Bei deutschen Bio-Anbauverbänden wie Bioland, Naturland oder Demeter gilt ein Verbot für CMS-Hybride.

Veröffentlicht am: 30. August 2017